Forschungsthemen

Mittelalterliche Siedlungsgeschichte

Die Besiedlung der Region zwischen Elbe und Heide vollzog sich in Schüben: Eine erste Phase im 9. und 10. Jahrhundert entlang der Geestkanten, eine Aufsiedlung der Niederungen im 12. und 13. Jahrhundert durch planmäßige Deich- und Entwässerungsarbeiten, und eine dritte Phase der Binnenkolonisation im Hochmittelalter. Zahlreiche Wüstungen im Gebiet der Landkreise Harburg und Lüneburg belegen, dass diese Besiedlung auch Rückschritte kannte.

Verortung dokumentierter Wüstungen im Untersuchungsgebiet — Stand 2024

Kirchenbuchforschung

Die Kirchenbücher der lutherischen Gemeinden im Landkreis Harburg setzen im 16. Jahrhundert ein, jene im Lüneburger Raum teils bereits ab 1540. Systematisch ausgewertet wurden bisher 140 Kirchenbücher aus 34 Gemeinden. Die Daten ermöglichen Aussagen zu Bevölkerungsentwicklung, Sterblichkeit in Krisenzeiten (Dreißigjähriger Krieg, Pestepidemien), Zuwanderung aus anderen Regionen und sozialer Mobilität.

Anno 1626 in dem großen Sterben sind allhier zu Stelle gestorben 87 Personen.
Kirchenbuch Stelle, Eintrag 1626

Flurnamen und Toponomastik

Das laufende Flurnamenprojekt hat bisher über 2.400 historische Flurnamen aus dem Untersuchungsgebiet erfasst und in einer Datenbank dokumentiert. Flurnamen wie "Wüstenei", "Up der Helle" oder "Im Fenn" bewahren Hinweise auf verschwundene Siedlungen, frühere Vegetationsformen und ältere Nutzungsweisen. Besonders aufschlussreich sind slawische Substratformen in Ortsnamen des Lüneburger Raums.

Adelsfamilien und Gutsgeschichte

Mehrere adlige Familien haben die Geschichte der Region über Jahrhunderte geprägt: die Herren von Estorf, die von Pentz, die von Lanwerth und andere. Die Gutsarchive dieser Familien — soweit zugänglich — enthalten Quellen zur Wirtschaftsgeschichte, zur bäuerlichen Abhängigkeit und zur Lokalpolitik, die in staatlichen Archiven nicht erhalten sind.